Toyota Kenshiki Forum: Mit dem Strom
| 17.03.2025Mit rein batterieelektrischen Modellen (BEV) hatte sich der Hybrid-Pionier lange Zeit gelassen. Nach dem ersten 2022 eingeführten Crossover-SUV bZ4X sollen nun umso zügiger zwei weitere Stromer folgen. Im Spätsommer rollt das erste B-SUV unter dem bekannten Namen Urban Cruiser an den Start. Und noch Ende des Jahres soll der C-HR+ im Segment der vollelektrischen Kompakt-SUV einem Skoda Elroq, Peugeot E-3008 oder Chinesen wie dem BYD Atto3 die Stirn bieten. Seine Weltpremiere erlebte das Crossover-Coupé jetzt auf dem so genannten Kenshiki Forum in Brüssel.
Auf dem europäischen Medien-Event gibt der japanische Konzern alle zwei, drei Jahre einen Ausblick auf die künftige Strategie und kommenden Modelle in Europa. Im Fokus diesmal vor allem die BEV, von denen Toyota bis Ende 2026 sechs neue vorstellen will. Den Anfang macht neben den bereits genannten Modellen ein optisch und technisch überarbeiteter bZ4X, der hierzulande zwar eher ein Nischendasein führt, in den skandinavischen Ländern aber sehr gefragt ist. Im Elektromobilitäts-Musterland Norwegen belegt er sogar Platz eins der Zulassungsstatistik. Künftig wird das D-SUV durch stärkere Elektromotoren mit Leistungen bis zu 252 kW (343 PS) angetrieben, zwei Batterie-Kapazitäten mit 57,7 und 73,1 kWh (brutto) sollen voraussichtliche Reichweiten bis 573 Kilometer ermöglichen. Zu den weiteren Neuerungen zählen ein optionales 22-kW-Bordladegerät und eine Batteriekonditionierung für schnelleres Aufladen.
Hauptattraktion des Events war jedoch der C-HR+, der auf dem Compact SUV Concept basiert, das Toyota beim vergangenen Kenshiki Forum im Jahr 2022 vorgestellt hatte. Obwohl die Bezeichnung den Schluss nahelegt, „ist es nicht die Elektroversion des C-HR“, wie Toyota Europe Vorstand Matt Harrison betont. Tatsächlich ist der 4,52 Meter lange Stromer ein gutes Stück größer und auch längst nicht so extravagant gestylt wie Toyotas Crossover-Bestseller mit Hybridantrieb. Mit 2,75 Meter Radstand gibt es im Innenraum jede Menge Platz für mindestens vier Personen, wie eine erste Sitzprobe ergab. Die Kopffreiheit ist gut, ebenso wie die Rundumsicht. Materialien und Qualität hinterlassen auf den ersten Blick einen soliden Eindruck. Das Cockpit wird von einem serienmäßigen 14-Zoll-Multimediadisplay dominiert, inklusive Navigationssystem mit ladungsorientierter Routenplanung. Es gibt zwei kabellose Smartphone-Ladestationen, USB-Anschlüsse und Klimasteuerung im Fond sowie ein Panoramadach. Der Laderaum schluckt mindestens 416 Liter.
Der C-HR+ fährt auf der vollelektrischen Fahrzeugarchitektur e-TNGA, die auch der bZ4X nutzt. Den elektrischen Antrieb teilt er sich deshalb auch mit dem großen Bruder, einschließlich der beiden Batterieoptionen. So ist die 57,7-kWh-Batterie ausschließlich in Verbindung mit Frontantrieb, der größere Akku sowohl mit Front- und Allradantrieb zu haben. Die maximale Reichweite soll je nach Antrieb und Ausstattung bis zu 600 Kilometer betragen. Das Modell mit Frontantrieb und kleinerer Batterie versetzt eine 123 kW (167 PS) starke E-Maschine in Schwung, die Variante mit der 77-kWh-Batterie bringt 165 kW (224 PS) auf die Straße. Mit optionalem Allradantrieb klettert die Leistung auf 252 kW (343 PS), womit der C-HR+ in 5,2 Sekunden auf Tempo 100 km/h beschleunigen soll.
Neben dem serienmäßigen AC-Bordladegerät mit 11 kW lädt der C-HR+ in der höchsten Ausstattungslinie Wechselstrom mit bis zu 22 KW. Beim Schnellladen an einer DC-Säule sollen Leistungen bis zu 150 kW möglich sein. Eine Vorkonditionierung der Batterie und eine Wärmepumpe für die Klimaanlage sorgen dabei für Effizienz.
Den Einstieg in Toyotas batterieelektrische Modellpalette macht jedoch künftig der Urban Cruiser, der im September zu den deutschen Händlern rollt. Auch das B-SUV, das zusammen mit Suzuki entwickelt wurde, wird in zwei Batteriegrößen mit Leistungen von 106 kW (144 PS) bis 135 kW (184 PS) sowie Front- und Allradantrieb angeboten. Die Reichweite des 4,28 Meter kurzen Modells mit 49-kWh-Akku soll rund 300, mit der größeren 61-kWh-Batterie 400 Kilometer betragen. Kommt im letzteren Fall der Allradantrieb durch einen zusätzlichen 48-kW-Motor an der Hinterachse hinzu, soll der Saft schon nach 350 Kilometern ausgehen.
Aber auch Nobeltochter Lexus hat sich vorgenommen, in den nächsten 12 Monaten drei neue batterieelektrischen Modelle nach Europa zu bringen. Den Anfang macht hier das neue Luxus-SUV RZ, das ebenfalls erstmals auf dem Kenshiki Forum der Öffentlichkeit präsentiert wurde, und im Herbst auf den Markt kommen soll. Erst 2023 vorgestellt, fährt die überarbeitete Version des Stromers als RZ 350e mit 165 kW (224 PS), als RZ 500e mit 280 kW (380 PS) und nun auch als RZ 550e F Sport mit 300 kW (408 PS). Als erstes Lexus-Modell lenkt das Stromer-SUV mit dem Steer-by-Wire-System, bei dem es keine physische Verbindung zwischen Lenkrad und Achsen gibt und der Fahrer die Rückmeldung nur noch über elektrische Signale erhält.
Eine Besonderheit ist dabei das beinahe rechteckige Lenkrad, ähnlich wie im Flugzeugcockpit, das gerade mal 200 Grad vom rechten bis zum linken Anschlag benötigt. Premiere feiert außerdem eine virtuelle Schaltung im Flaggschiff RZ 550e F-Sport, das über Lenkradwippen das Schaltgefühl eines mechanischen Achtgang-Getriebes imitieren soll. Dazu werden Echtzeit-Feedback über das Fahrpedal und sogar Motorgeräusche simuliert. Der Versuch, den unterschieds- und seelenlosen Elektroantrieb mit solchen sportlich-dynamischen Spielereien aus der Petrolhead-Welt irgendwie zu differenzieren, ist aller Ehren wert und sicher nachzuvollziehen.
Einen echten Lapsus leistet sich Lexus eher mit der Batterie. Deren Kapazität sei zwar auf 77 kWh erhöht worden. Für ein selbst ernanntes „Luxus-SUV“ ist das allerdings nicht wirklich üppig, wie an den Wettbewerbern mit ihren 100 kWh-und-mehr-Akkus zu sehen ist. Immerhin sollen 100 zusätzliche Kilometer Reichweite damit möglich sein, wobei nicht gesagt wird, wie hoch diese in absoluten Zahlen ausfällt. Auch über die Ladeleistung wird kein Wort verloren, nur dass eine Batterievorkonditionierung die Zeiten „auf etwa 30 Minuten verkürzt“.
Aber auch die urbane Mikromobilität will der japanische Konzern ausbauen. Inspiriert von den Erfahrungen mit den alternativen Mobilitätslösungen, die Toyota als Sponsor der Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio 2021 und Paris 2024 entwickelt hat, entstand ein vollelektrischer Zweisitzer für die Stadt. Das 2,50 Meter kurze Konzeptfahrzeug FT-Me im Jethelm-Design besteht vorwiegend aus recycelten Materialien und kann – ähnlich wie die von Stellantis eingeführten Modelle Citroën Ami, Opel Rocks-e oder Fiat Topolino – in manchen europäischen Märkten auch schon ab 14 Jahren (in Deutschland mit dem Führerschein Klasse AM ab 15 Jahren) gefahren werden. Weiter Spezifikationen sind nicht bekannt, weder wie genau es angetrieben wird, noch welche Batterie verbaut ist. Nur soviel: Im Dach steckt ein Solarpanel, das eine zusätzliche Reichweite von 20-30 Kilometer pro Tag, je nach Wetter und Umgebung, liefern soll. Für Toyotas Projektleiter Stijn Peeters biete der FT-Me eine nachhaltige und elegante Lösung für die sich ständig weiterentwickelnde Städte und zeige „Toyotas Philosophie der Mobilität für alle“.
Denn auch wenn auf dem Kenshiki Forum die batterieelektrischen Modelle im Fokus stehen, wurden alle Redner nicht müde, auf die Technologieoffenheit hinzuweisen, mit der das Ziel erreicht werden soll, bis 2050 komplett klimaneutral zu arbeiten. Bei Toyota heißt diese Strategie „Multi Path“, die explizit neben den unterschiedlichen Hybridvarianten, E-Fuels und klimaneutrale Kraftstoffe als auch die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie einschließt. Womit die Japaner in Europa offensichtlich gut gefahren sind, wie die 774.000 Verkäufe plus weitere 94.000 zusammen mit BMW und Stellantis produzierte Einheiten belegen. „Die große Auswahl ist der Schlüssel für den Erfolg in Europa“, sagt Toyota Europe Präsident und CEO Yoshihiro Nakata, wo „immer mehr Kunden ihre Autos mit einem Lächeln entgegen nehmen“. (aum)Von Frank Wald; Photo: Toyota via Autoren-Union Mobilität
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